Aufschrei

Hat man dir den Mund zugenäht, Kreuzstich, dreimal, dass du nicht sprichst? Nicht sagst, was deine Meinung ist, nicht preisgibst, wer du wirklich bist, nicht herausschreist, was dich stört, keine Lieder singst von dem, was du liebst?
Hat man deine Augen zugeklebt, die Lider mit Panzertape an die Wangen, dass du sie nicht öffnest und erblickst, was Recht und Unrecht ist und Realität? Dass du die Wunder verleugnest, die vor dir geschehen und die Sonne verabscheust, wenn sie dir Licht macht?
Hat man dir den Kopf fixiert in einem Schraubstock, dass du ihn niemals drehst und dorthin schaust, wohin es auch mal Mühe macht zu schauen?
Hat man dir Nase und Ohren verstopft, dass du den Gestank von Zerstörung und den Klang von Euphemismen nicht wahrnimmst, der dich umgibt, hat man dir die Zunge abgeschnitten, dass du nur schnappst wie ein sterbender Fisch und deine eigene Faulheit nicht schmeckst?
Hat man dir die Kehle geöffnet, dass du alles schluckst, was man dir vorsetzt, ohne den Gehalt zu hinterfragen?
Sind deine Hände gebunden, dass du sie so tatenlos herumliegen lässt, keine Mauern damit einreißt, keine Menschen damit tröstest, und sind deine Füße geknebelt, dass sie dich nirgends hintragen, wo es etwas anzupacken gibt?
Hat man dich kahl geschoren und deine Kleidung gestohlen, dass du dich so kleinmachst, dass nicht mal Ausreden dich noch glaubhaft wirken lassen? Hat man dir das Herz herausgeschnitten, dass es sich nicht für Dinge begeistert, und das Gehirn entnommen, dass du nicht mehr selbständig denkst, hat man dir deinen Willen geraubt, dass du dich so flügellahm unterordnest,
verdammt noch mal

hast du es denn nicht gemerkt?

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