Gäste

Unten am Treppenabsatz musste sie Halt machen und verschnaufen, wie immer, wenn ihr nach der Arbeit die Erschöpfung in den Knochen saß und die Stufen unerträglich hoch schienen. Sie sperrte die Wohnungstür auf und trat in den Flur, wo der Anrufbeantworter stumm auf dem Tischchen saß und die Dunkelheit ihr leise Worte ins Ohr flüsterte. Mit einem Glas Wein und einer Zigarette saß sie noch eine Weile auf dem Balkon, lauschte den Geräuschen der Straße und vermied es, an die Stille zu denken, die in den dunklen Ecken ihrer Wohnung lauerte. Wenn sie es doch tat, packte die Einsamkeit sie manchmal so sehr, dass sie sich zitternd die Arme um den Körper schlang, um nicht auseinanderzufallen.

Wer kann sie schon ertragen, diese Einsamkeit, wenn sie angeschlichen kommt und einen überfällt in den Minuten, die bleiben, bis der Tag stirbt und die Stadtlichter den Nachthimmel in Brand setzen. Wer kann es schon ertragen, wenn die Zimmer kalt sind und leer, und die Erinnerungen ungefragt den Raum betreten und sich lästig breitmachen wie ein ungebetener Gast. Wer kann solch ungebetene Gäste schon ertragen, wenn sie Bilder in die Luft malen, die innen drin schmerzen, und die einen klein werden lassen wie ein Kind in der Nacht.