Er.

Im Zuge der „Love Wins“-Entwicklung hier ein bereits eingestaubter Text aus der „lange her“-Schublade. 

Ein verträumtes Lächeln, ein scheuer Blick,
so sitzt er jeden Morgen in der Bahn, den Rucksack auf dem Schoß umklammert.
Jeder kennt ihn
obwohl er gar nicht gesehen werden will.
Seine Stimme ist sanft,
das Lachen leise;
dann bilden sich um seine Augen viele kleine Fältchen.
Er ist auf eine angenehme Weise ungewöhnlich.
Feminine Kleidung, kinnlange Haare,
ein weicher Mund, große braune Augen.
Wenn er sich entspannt, wird seine Stimme tiefer.
Aber er redet nicht viel.
Alles an ihm zeigt, dass es auch anders geht. Leiser. Ruhiger. Offener.
Er fühlt sich als Mann. Und als Frau. Und er liebt beides.
Ich achte nicht auf das Geschlecht, sagt er
und lächelt dieses Lächeln, das fast ein Lachen ist, und das immer die Augen
erreicht.
Es kommt doch auf den Charakter an, oder?, sagt er.
So gesehen hat er recht.
So gesehen kann man sich in jede Person auf der Welt verlieben.
So gesehen wäre die Welt dann vermutlich um einiges schöner.
Man merkt, dass er es ernst meint.
Im Gespräch mit ihm verschwimmen die eigenen Äußerlichkeiten,
denn er richtet seinen Blick auf das Wesentliche.
Und man wäre gern ein bisschen wie er. Auf so ungewöhnliche Weise angenehm.

Domgarten

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Kühl und still
Ich höre
Vogelgezwitscher
Uraltes Gotteshaus, das du dich in den Himmel streckst
Deine Ruhe fließt in mich.

Dein Garten ein Paradies
Stein und Natur vereint sich in grünumrankten Säulen
Die den Kreuzgang tragen
Wie uralte Wächter.

Macht und Demut spricht aus dem kalten Sandstein
Er dient uns
Macht uns stille
Zwischen knienden Statuen im Gras
Ranken sich leuchtend und lebend
Rosen, wie Gottes Kinder.

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