fliegen

erinnerst du dich an den kleinen jungen?
erinnerst du dich an ihn?
wie er dort oben stand
an der wand, ganz in der stille
weißt du noch, wie er sich gemüht hat
mit pappe und papier, mit draht und bindfaden
klebstoff und spucke
bis es endlich gehalten hat.
er ist die rostigen treppen emporgestiegen
die flügel unter dem arm
erinnerst du dich an das knirschen der stufen
die rostkrümel an den nackten fußsohlen
wie er schließlich dort oben stand
den rücken an der schartigen hausmauer
die sonne hat gebrannt auf seiner haut
er war stolz
er würde fliegen.
nur der augenblick
nur das herantreten
nur sein atem.
das warst du!
und du konntest fliegen.

Mit Stolz und Freude und jeder Menge Erstaunen darf ich berichten, dass dieser Text für die Endauswahl des Othmar-Seidner-Jungautorenpreises der Lyrikfreunde e.V. nominiert worden ist. Das Ergebnis bleibt abzuwarten, aber die Tatsache allein ist schon Grund zur Freude genug.

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2 Gedanken zu “fliegen

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