Du kannst nicht mal eben Gott spielen.

Wissen-wollen. Die einen wollen es mehr, die anderen weniger. Für mich ist seine Bedeutung in der letzten Zeit gewachsen, für jemand anderen in meinem Leben wiederum ist dieses Ziehen, dieses Suchen nach mehr schon lange ein großes Bedürfnis. Wie weit kann so eine Suche gehen? Welche Grenzen gibt es? Und angenommen, man könnte diese Grenzen durchstoßen, welche Schwierigkeiten würden sich uns entgegenstellen? Wäre die Suche nach Gott dann immer noch eine Suche, auf die sich ein Mensch gefahrlos begeben kann?
Wie weit schwingt nur Wissensdurst bei dieser Suche mit – und wie weit mag es Hochmut sein, noch angepeitscht von dem Bedürfnis alles zu beherrschen? Aber ist nicht das Alles-wissen-wollen das Kennzeichen eines aufgeklärten Menschen?
Vor dem Hintergrund all dieser Fragen ist ein recht verwirrender Text entstanden. In einem Gedankenspiel wird die Grenze des für den Menschen Fassbaren, der „Horizont“ übertreten bzw. „angehoben“ und der Mensch im Angesicht mit Gott damit konfrontiert, was er eigentlich verstehen kann und was außerhalb seiner Reichweite liegt.
Es ist nur ein Gedankenspiel und vermutlich nicht für philosophische Diskussionen geeignet, denn es endet in einem Fiasko und selbstverständlich ist Suche nach dem Wissen und dem Verstehen von Gott und der Welt ebenso wichtig wie sinnvoll. Doch mich fasziniert die Idee einer höheren Macht, die dem Menschen geduldig-besorgt-amüsiert dabei zusieht, wie er das für ihn Unbegreifliche zu begreifen suchen – und die ihn schlussendlich einfach damit konfrontiert, und sei es nur aus Jux. Ein spielerischer, Konsequenzen ziehender Gott. Welch eine interessante Vorstellung!

Ich habe dich gesucht. Lange, forschend, wissbegierig. Sehr lange habe ich dich gesucht und dabei jeden Stein umgedreht. Erst noch geduldig vertrauend, später unruhiger, skeptischer. Als ich dich nicht fand, bin ich wütend geworden. Habe mit Paradoxa um mich geworfen und Buchstaben in der Luft zerrissen, habe Treppenhäuser verdreht, Musik in die Luft gejagt und schließlich rasend vor Unverständnis den Horizont angehoben.
Das hätte ich nicht tun sollen. In einem nicht menschensgleichen Schritt aus der vertrauten bleiernen Schwerkraft, den Gedankenflügen, kratzendem Hautkitzeln und gleißenden Farben hinaus, ins Nirvana. Davon ausgehend, dass solche Konstrukte nicht verfallen könnten, schrumpfte die Welt abrupt und für mich völlig überraschend. Ich war Gulliver in Lilliput. Plötzlich war da ein Gewicht, unvorhergesehen und schwer, und das Kind, das eine Erleichterung erwartet hatte und nicht eine Bürde, wollte zurück unters Bett kriechen, aber der Horizont war verschwunden und du standest mir im Weg.
Du kannst nicht mal eben Gott spielen, sagtest du und drücktest mir eine Spraydose in die Hand. Was hast du dir dabei gedacht?
Streng blicktest du mich an und ich sah eine fremde Größe in deinen Augen, etwas wie Wissen. Ein Wissen, das ich wollte. Trotzkindlich kickte ich die Naivität zu meinen Füßen hinweg.
Wärst du besser bei den Puppen geblieben, Kind, sagten die Augen, und laut sagtest du, jetzt spray dir deine Welt neu an, die alte wird dir kaum mehr genügen. – Aber es ist nichts da, was man ansprayen könnte, wandte ich ein, wies auf die uns umgebende Leere. – Das ist nicht mein Problem, versetztest du und ließest mich allein.
Neues sollte also Gestalt annehmen. Unwillkürlich erwartete ich eine Ähnlichkeit zum Vergangenen, eine Pracht, die gewohnt, eine Vertrautheit, die benötigt; doch die Farbe in der Spraydose blieb unsichtbar und nichts verdeckte meinen gewaltvollen Durchbruch ins Neue; er lag offen und brach wie eine frische Wunde im Acker und nichts blieb, um das verschreckte Kind zu beruhigen, das in dieser Sphäre herumtaumelte wie eine leere Plastiktüte im rauen Wind.
Du kannst nicht mal eben Gott spielen.

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15 Gedanken zu “Du kannst nicht mal eben Gott spielen.

  1. Ich mag deine Idee mit der Spraydose. Sie legt nahe, dass das Vergangene auch „nur“ eine Lackierung gewesen sein könnte. Dass Wirklichkeit immer auch Gestaltung ist. Und dass da, wo Leere ist, Gestaltungs-Spiel-Räume entstehen. Liebe Grüße an dich!

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  2. Sich Gott nähern über Wissen und Gedanken wird nicht fruchten.

    Sich Gott nähern geht meiner Wahrheit nach nur über Erfahrung.
    Dann entdeckst du, dass er in dir ist.
    Direktzugang durchs HERZ.

    Und dann spiegelt er sich überall:
    In der Leere und in jedem Stein, den du gar nicht mehr umzudrehen brauchst.

    Dann weißt du es, auf eine Art und Weise, die dir niemand mehr ausreden kann…
    GOTT ist in allen Dingen:
    Steinen, Pflanzen, Tieren, Menschen…
    und allen Zwischenräumen
    einfach überall,
    wie die Luft die wir atmen
    und die wir doch nicht sehen können.

    Bewusstsein, was durch alles blickt…

    Herzlich Heidrun

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    1. Dass man beim Thema Gott mit seinem Verstand an Grenzen stößt, ist mir durchaus bewusst. Dieser Text ist auch eher ein Gedankenspiel darüber, was wäre, wenn es diese Grenzen nicht gäbe. Es erscheint mir doch manchmal zu schade. 😉

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    2. Welchen Gott meinst Du überhaupt? Es wurden im Laufe der Zeit so viele unterschiedliche erfunden.
      Und im Herz befinden sich weder Wissen noch Gedanken. Ich denke, auch Poesie sollte nicht anti-aufklärerisch sein.

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      1. Lieber Tom,

        ich fühle deinen Standpunkt und lasse ihn dir. Er gehört zu deiner Erfahrungswelt und ist für dich daher deine Wahrheit, so wie ich meine Wahrheit zum Ausdruck gebracht habe.

        Mein Gefühl sagt mir, dass wir das hier nicht ausdiskutieren können und es liegt mir fern, dich von meiner Wahrheit überzeugen zu wollen. Das kannst du nur persönlich ERFAHREN.

        Wie würdest du denn z.B. einem Blinden die Farbe Rot erklären??? Würde er es verstehen können???

        Damit meine ich nicht, dass du blind bist…eher, dass dir scheinbar eine Erfahrungswelt noch fehlt, die dir deine Fragen völlig selbstverständlich erklären würde.

        Das ist okey.

        Herzliche Grüße
        Heidrun Regina

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        1. Liebe Heidrun Regina,
          auch das Fühlen findet ebenso wie das Denken im Gehirn statt, wo man – um miteinander kommunizieren zu können – das Denken aktivieren muß. Der Begriff „Rot“ ist dabei nur eine austauschbare, sprachlich sehr begrenzte Übereinkunft, die man auch „mera“ nennt. Objektiv läßt er sich als eine bestimmte Wellenlänge im Spektrum definieren, was für den Begriff „Gott“ bisher noch niemand geschafft hat. Die das bemängeln, wurden früher verbrannt. Deshalb ist schon die Frage berechtigt, worüber Du eigentlich schreibst. Mir geht es jedenfalls nicht um sehr subjektive „Wahrheiten“ sondern um allgemeingültige Erkenntnis, die Voraussetzung für Kommunikation ist und diese erst wertvoll macht.
          Mit freundlichem Gruß von
          Tom

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          1. Shalom Tom,
            mit uns beiden treffen Welten aufeinander! Lassen wir sie nebeneinander in gegenseitigem Respekt stehen.

            Es ist genug Raum auf dieser Erde für beides.

            Die Welt der oberflächlichen Erscheinungen, die man wissenschaftlich messen und beweisen kann und die tieferliegenden Erfahrungen der transzendenten Welt, die nur offenbart werden können und über die es bestenfalls eine Herzensverständigung – ohne Worte – gibt.

            Ich achte dich freundlich in deinem Sosein!

            In deiner Dschungelwelt machst du Erfahrungen, von denen ich keine Ahnung habe. Allem Respekt dem Auswanderer.
            Vielleicht ist es ein etwas hinkender Vergleich, doch spirituelle Welten sind jenen zugänglich, die bereit sind sich tiefer liegendem Neuland hinzugeben. eine Forschungsreise anzutreten, die in die Tiefe führt, auf den Grund und dabei führt der weg vom Verstand, über´s Herz zu den Bauchregionen (UrÄngsten) um dann in der Liebe zu landen und dort zu ankern.
            Würde ich nur im Verstand bleiben, hätte ich zwar ein breites Wissen, doch keine tiefere Erfahrung von ALLEM-WAS-IST. Dann entgeht mir, dass du und ich ein Teil jener Wirklichkeit sind, die Gott genannt wird.
            Der Begriff ist so beladen……….durch Religionen und diverse Zeitalter.
            Er ist für manche zum roten Tuch geworden. Tausche ihr durch bedingungslose Liebe aus, denn das ist vielleicht eher eine Annäherung für die Wirklichkeit, die ich meine.

            Sei herzlich gegrüßt
            von Heidrun Regina

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  3. Gott mit dem Versand zu ergründen scheitert m.E. schon daran, dass er tatsächlich nicht von dieser Welt ist.

    Sich etwas vorzustellen jenseits unseres Raum-Zeit-Kontinuum ist mangels Vergleichsobjekte einfach unmöglich. Lediglich in seiner menschlichen Form (Jesus) ~wird er fürs menschliche Denken greifbar.

    Aber insgeheim : Super Text. Sehr inspirierend.

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  4. Ringende Göttin
    Deine Reise zu Dir selbst ist ein epochales Zeitdokument und die Inquisitation, Ich lache offen,
    hätte Ihre Freude Fragezeichen an Dir.Gelächter Du würdest gut brennen so wie Dein Herz in Flammen steht braucht es gar keinen Zunder mehr. Wirklich sehr entspannend und Dein Weggefährte hat ein „Problem“ dahin, Dich zu blocken Deine Göttliche Wesensnatur zu ergreifen
    Denn Das Neue Testament ist für Hörige des Alten immer noch eine Zumutung für die Es Mut
    aus dem Herzen braucht.Nicht den aus dem Bauch. Der ist nur aufgesetzte Tapferkeit.Ich bin
    gelegentlich in einem Frauenphilosopfenkreis eingeladen und werde diesen Deinen Heiligen Text
    zur Grundlage der nächsten beiden Stunden verlesen. Von wegen „..nicht für philosophische Dis Kuß Ionen geignet“!
    Das Selbstvertrauen zu brechen, Selbstzweifel zu säen ist eine der Praktiken der Agnostiker.
    Gott ist kein Mann. Weder alt noch Jüdisch Islamisch oder Kirchlich.
    Das Göttliche MutterVater bist Du ist in Dir und der Himmel weder im Orbit noch im Jenseits
    Dein Herzensparadies ist die siebte Herzkammer Dein Garten Eden
    Wie die Vernunft nur nachsprechen darf was Deine Intuition und Dein Verstand was Deine
    Inspiritation vermittelt bekommen
    Was ist denn die Pinialis, was die Hypophyse ? Erkenntnisorgane heilige Drüsen am Baum des Lebens der Dir zunächst die Erkenntnis von Gut & Böse schenkte als Apfel
    Und heute sind die Birnen dran. Kosmischer Obstsalat
    Guten Appetit
    Wer „nicht mal eben Gott spielt“, ist ein Spielverderber
    Wozu spielten Wir dann „Mensch ärgere Dich nicht“ Diese Zeiten fahren gegen die Wand
    Heute jetzt und nur das Jetzt ist Ewigkeit, wer hält den Augen Blick schon aus?
    Spielen Wir“ Gott freut Sich“ Ihn Es In Uns zu entdecken
    Glückwunsch !
    danke

    Dir, Joachim
    hebräisch
    Gott macht stark
    Der von Gott gestärkte

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