Danach

Es war Sturm.
Hat schrecklich gewütet und viel verwüstet.
Seit dem Morgen ist Stille eingekehrt
Die Schmerzen sind vergangen
Die Verwirrung hat sich verflüchtigt.

Eine kahle Ebene taucht aus dem Nebel
Ein paar Trümmer
Baumstümpfe
Keine Farben

Kein Vogel ist zu hören.
Auf einem Stein, ganz ruhig, sitzt ein Ich.
Sitzt nur da und ist.
Denkt nicht. Fühlt nicht. Sitzt nur. Wartet.

Unbeweglich wartet es
Dass die Zeit ihm
Die Sonne wiederbringe.

Verloren an dich

 

Wenn du älter wirst, unkomplizierter, weniger verrückt
Wirst du dich dann an all die Gefahren erinnern
Denen wir entronnen sind?
Wir brannten wie glühende Asche
Verliebten uns
Zärtlich
Sehnen uns nach den Tagen, als wir unnachgiebig waren
Es ist Jahre her
Und du weißt ja …

Wenn du nur kannst, dann tue das, was du willst
Denn es wird nicht besser
Und du warst alles, was ich je wollte

Ich werde nie in den Himmel kommen
Denn ich wüsste nicht wie

Lass uns das Glas erheben
Oder auch zwei
Auf alles, was ich sinnlos an dich verloren habe
Sag mir, war es vergebens?
Nur damit du mich dann stehen ließest
Nach allem, was ich für dich gegeben habe
War es an dir verschwendet?
War es wirklich vergebens?

Baby, war das umsonst?
War es wirklich Verschwendung?

Wünschte ich könnte dieses Ränkespiel verstehen
Die mühsamen Erwartungen in deinem Geist ergründen

Halt mich, als hättest du nie die Geduld verloren
Sag mir, dass du mich immer
Mehr geliebt als gehasst hast
Und dass du immer noch mir gehörst

Wenn du nur kannst, dann tue das, was du willst
Denn nichts wird besser
Und du warst alles, was ich je wollte
Lass uns einen Schluck vom Himmel nehmen
Das könnte doch noch herumgerissen werden …

LP

nachtgesichter

Es ist ja so plötzlich dunkel geworden!
nein, flüstert die nacht, ich war immer schon da

heute hat sie regen mitgebracht
die häuser schneiden sich gegenseitig grimassen
und spiegeln sich im bodennass
weiß der schuhladen
gelb der bäcker
flimmernd das casino

tropfen knistern auf schirme
die die dunkelheit entfärbt hat
und warten nicht, bis du ihre gewisperten worte
entschlüsselt hast
hastig nehmen sie dein fragen und deine warmen füße
und kicherglitzern weiter

stadtnacht nachtstadt
wie schwestern flüstern die beiden dir ins ohr

jenseits von menschen und sonne
prasseln geschichten auf den stein.

Mord

Schäfchen zählen jede Nacht
Irgendwann färbt sich der Himmel blutrot
Wer zur Hölle schlachtet meine Schäfchen ab?

Ein Teufel in mir
Der sich noch ins Fäustchen lacht

Und dann sein dunkles Werk beginnt
Und jeden Gedanken vergiftet.

Ein Irrtum 

Was kannst du mir schon zeigen
Außer den Sternen am Himmel
Den Spiegelungen im Wasser
Und den Gedankenbildern deiner Vergangenheit

Was kannst du mir schon zeigen
Außer leben und küssen und lachen und reden
Und mich verlieren in dir

Was kannst du mir schon tun
Außer mich in Fernen zu entführen
Und mich dort allein zu lassen
Ganz weit fort
Von mir

Ich hätte es wissen müssen
Doch ich dachte mir wohl
Was kannst du mir schon tun.

Wunder

Ich kann nicht aufhören dich anzusehen.
Gott mag sich viel merkwürdiges gedacht haben
Aber du warst ein guter Gedanke.
Ich seh dich lachen
Ich seh dich reden
Ich seh dich denken
Ich seh dich lächeln
Und es ist ein Wunder
Dass es dich gibt
Und dass du hier bist
Bei mir.

Und wenn du fort gehst
Wirst du mir bleiben
Mit deinem Zwinkern
Deinem Lachen
Deinen Bewegungen
Deinen Geschichten.
Mit allem was du bist
Machst du mir klar
Dass leben schön ist.

Vermächtnis

Indianer seh ich flüchten
Wir haben sie vertrieben
Aus ihren Verstecken
Den letzten.
Wale seh ich ziehen
Wir haben ihre Artgenossen gemordet
Und ihre Weisheit missachtet
Nun fliehen sie.
Bäume seh ich fallen, wir schlagen sie
Menschen seh ich frieren, wir lassen sie
Hoffnung seh ich keimen, wir ersticken sie
Mit Stolz
Und Macht.

Planeten seh ich ziehen
Sie halten sich fern von uns
und kreisen
Weit fern in anderen Zeiten
Ob es dort besser ist?