Ein Irrtum 

Was kannst du mir schon zeigen
Außer den Sternen am Himmel
Den Spiegelungen im Wasser
Und den Gedankenbildern deiner Vergangenheit

Was kannst du mir schon zeigen
Außer leben und küssen und lachen und reden
Und mich verlieren in dir

Was kannst du mir schon tun
Außer mich in Fernen zu entführen
Und mich dort allein zu lassen
Ganz weit fort
Von mir

Ich hätte es wissen müssen
Doch ich dachte mir wohl
Was kannst du mir schon tun.

Wunder

Ich kann nicht aufhören dich anzusehen.
Gott mag sich viel merkwürdiges gedacht haben
Aber du warst ein guter Gedanke.
Ich seh dich lachen
Ich seh dich reden
Ich seh dich denken
Ich seh dich lächeln
Und es ist ein Wunder
Dass es dich gibt
Und dass du hier bist
Bei mir.

Und wenn du fort gehst
Wirst du mir bleiben
Mit deinem Zwinkern
Deinem Lachen
Deinen Bewegungen
Deinen Geschichten.
Mit allem was du bist
Machst du mir klar
Dass leben schön ist.

Vermächtnis

Indianer seh ich flüchten
Wir haben sie vertrieben
Aus ihren Verstecken
Den letzten.
Wale seh ich ziehen
Wir haben ihre Artgenossen gemordet
Und ihre Weisheit missachtet
Nun fliehen sie.
Bäume seh ich fallen, wir schlagen sie
Menschen seh ich frieren, wir lassen sie
Hoffnung seh ich keimen, wir ersticken sie
Mit Stolz
Und Macht.

Planeten seh ich ziehen
Sie halten sich fern von uns
und kreisen
Weit fern in anderen Zeiten
Ob es dort besser ist?

Verletztes Kind

Gerade eben hast du noch gelacht
Jetzt schaust du mich an wie verletztes Kind
Hast dich in der letzten halben Stunde in den hintersten Winkel deiner selbst verkrochen vor deinen Gedanken
Die so laut flüstern, dass selbst ich sie fast hören kann
Die dich so ausfüllen, dass deine Hülle zu zerplatzen droht (wie ein Luftballon)
Gleitest immer weiter weg von uns
Ich kann es sehen
Ich sehe die unsichtbaren Tränen, die die Nacht dir aufs Gesicht malt.
Ich höre die Anstrengung in deiner Stimme, wie du versuchst die Dämonen zu im Schach zu halten.
Ich fühle deinen Herzschlag, so unendlich weit entfernt, fast schon nicht mehr zu spüren.
Ich schmecke den Alkohol in deinem Blut, der dein Freund sein sollte heute Abend
Und der dich jetzt so hinterlistig an die Verzweiflung verrät, die unter dem Tisch lauert.

Und deine Augen sind schwarz von dem Gedanken an das Jetzt und das Gestern und das Morgen.

Wie ein verletztes Kind sitzt du da und jeder sieht, dass du ganz weit weg bist von all dem hier,dass du dich selbst wiederzufinden versuchst in dem Durcheinander in deinem Kopf
Dem Durcheinander aus Einsamkeit und Sorgen und Promille und Erwachsenseinmüssen (so jung)
In einer Welt, die dich nicht versteht und die du nicht verstehst (obwohl zumindest einer von euch sich anstrengt)
Und die dich heute Abend zwischen Menschen und Lampions und Gelächter so unheimlich traurig macht, dass du wohl weinen würdest
wenn da irgendwo noch Kraft in dir wäre

Und so weine ich für dich.
Ganz leise, innen drin
Und die Nacht malt uns unsichtbare Tränen aufs Gesicht.

Schachspiel

Ich spiele Schach

Schwarz, weiß, schwarz, weiß

Ich bin Spielfigur, Figurspiel

Angst vor der Dame, Angst vor der Mittellinie, Angst vor dem Feld, auf das man mich zwingt

Angst vor meinem Zug, der Entscheidung, dem Weg

Der gegnerische Turm wirft seinen Schatten über mich.